Secrets Of The Moon

Abgelegt unter: Interviews — Daniel Finaske am 8. November 2006

Secrets Of The Moon Bandfoto 2006 Wer auf extremen und zugleich sehr progressiven (Black) Metal steht, kommt um die vier Osnabrücker von Secrets Of The Moon nicht herum. Zur Veröffentlichung des neuen Albums “Antithesis”(Lupus Lounge) stand mir Sänger und Gitarrist sG via e-Mail Rede und Antwort. Unter anderem geht es um Erwartungsdruck, den Aufbau des neuen Albums, das Artwork und die Produktion.

Nicht nur euer Label Lupus Lounge bezeichnet “Antithesis” als eines der wichtigsten Alben des extremen Metal sondern auch die bisherige Resonanz seitens vieler (Metal-)Magazine ist durchweg positiv. Ich kann mich des Lobes nur anschließen und empfinde eure neue Platte als sehr ausdruckstark und atmosphärisch. Seht ihr euch mittlerweile selbst in der Position der Ausnahme-Band? Lastete dadurch ein gewisser Druck an der Veröffentlichung bzw. habt ihr dadurch persönlich einen hohen Anspruch was den Erfolg der Platte angeht?

sG: Nun, zuerst würde ich gerne sagen, dass wir uns nicht als eine Ausnahme-Band sehen. Das wäre zu hoch gegriffen. Unser Label schmeißt schon mit genügend Superlativen herum. Das mag zwar hilfreich für die Werbung sein, aber für uns selbst hat es keine Bewandtnis. Was wir sind, sollen die Hörer beurteilen. Letztendlich ist alles nur eine Frage des Geschmacks. “Antithesis” ist sicherlich ein Album, das sehr viel diskutiert werden wird. Vielleicht liegt gerade darin der Schlüssel. Es ist ein Album, welches sich nicht sofort erschließt; es braucht Zeit um zu gedeihen. Bei einigen Leuten fällt es auf Nährboden, bei anderen wiederum nicht. So einfach ist es. Ich persönlich bevorzuge Alben, die tiefgehend sind und bei denen es sich lohnt, öfter hinzuhören. Ganz klar, dass diese Vorlieben auf unser Werk abfärben.
Die Zeit wird zeigen, auf welches Interesse “Antithesis” stößt. Natürlich hegt unser Label Erwartungen (wie bei jeder anderen Veröffentlichung auch). Es ist aber keineswegs so, dass diese Erfolgserwartungen sich in irgendeiner Form im Songwriting bemerkbar gemacht haben. Da geht es zum Glück um andere Dinge. Wir sind nicht darauf aus, Hits zu schreiben.

“Antithesis”, ein Titel bei dem die Frage nahe liegt, zu was die Musik und die Lyrics einen Gegensatz darstellen.

sG: Die Lyrics sind sozusagen eine Antithese zur religiösen Bedeutung des Todes. Wir beschreiben den Tod auf dem Album als das ewige Ende. Ein Nachleben im religösen Sinne gibt es nicht. Musikalisch gesehen gibt es keine Antithese. Wir praktizieren viel eher die Unabhängigkeit, die uns musikalische Größe schafft. Das mag eine Antithese zu “dogmatisierten Regeln des Spiels” sein, aber relevant ist dieses Spiel für uns nie gewesen.

Bis einschließlich “Ordinance”, also dem ersten Teil des Albums, wirkt “Antithesis” sehr direkt, der Rest Albums scheint mir eher vertrackter und dunkler. Seht ihr das genauso? Steckt dahinter ein Konzept?

sG: Ja, das sehe ich ähnlich. Ich sehe jeden Song auf “Antithesis” als ein individuelles Stück, welches eine individuelle Atmosphäre hervorruft. Wir haben bei dem Album die Songreihenfolge bis zum Erbrechen analysiert. So und nicht anders ist die Reihenfolge nun perfekt, weil sie das Album “fließen” lässt. “Versus” und “Ordinance” sind sicherlich Songs, die in eine aggressivere metallische Richtung gehen, aber diese “Aggressivität” war durchaus gewollt so. Auch in den hinteren Songs sind viele traditionelle Elemente enthalten.

Eingeleitet und beendet wird euer neues Album mit rein instrumentalen Songs, wobei diese sich musikalisch stark unterscheiden. “Nowhere(11.18)” ist der fette Metal Opener, “Exit” hingegen klingt mehr nach (Alternative) Rock mit Black Metal Anleihen. Was waren die Gründe, jeweils ein Instrumental an Anfang und Ende zu setzten und warum unterscheiden die beiden Stücke sich musikalisch so stark? Kann man von “Exit” eventuell auf die musikalische Zukunft von Secrets Of The Moon schließen?

sG: Nun, das wäre wohl etwas zu vorhersehbar. “Exit” stellt für mich eher den “großen Meister” als Sinnbild des Todes dar. Es ist ein erfüllter und ergreifender Abschied, für manche gar interpretiert als der Abspann eines Films. “Nowhere 11:18″ transportiert eher die metallische Aufgewühltheit der ersten Songs und ist ein ekstatischer, bedeutungsvoller Einstieg.

In “Seraphim Is Dead” arbeitet ihr im Refrain mit einem Horn. Könntet ihr euch vorstellen, Instrumente abseits der klassischen Rockbesetzung weiter einzubeziehen?

sG: Es ist schwer, solche Dinge einzubeziehen, weil wir immer noch eine klassische Rockbesetzung sind und auch bleiben möchten. Secrets of the Moon sind eine sehr traditionelle Band, die im Proberaum jammt und sich musikalischen Leidenschaften hingibt. Wir arbeiten außerhalb des Studios sehr selten und auch ungern mit modernen Techniken. Das Horn in “Seraphim is Dead” ist einzigartig, weil es im Song nicht wiederholt wird. Solche Überraschungsmomente geben einem Song eine enorme Tiefe.

Was hat euch bei der Entstehung von “Antithesis” maßgeblich beeinflusst?

sG: Ich glaube, vor allem beeinflusst hat uns unser Leben, weil viele Dinge passieren, die nicht vorhersehbar sind. Momente und Erinnerungen haben einen enormen Einfluss auf unser Schaffen. Genau dadurch erlebt die Musik immer und immer wieder einen so große Bedeutung in unserem Leben. Ohne sie wären wir komplett andere Menschen.

Secrets Of The Moon Bandfoto 2006

Markus Stock, Produzent von “Antithesis” und der vorhergehenden “Exhibitions” EP, schreibt auf der Webesite seines Tonstudios(Klangschmiede Studio E) mehr als erfreute Worte über das Ergebnis eurer Zusammenarbeit. Was könnt ihr denn über Markus in Bezug auf die Produktion von “Antithesis” erzählen?

sG: Wir waren, bevor wie die “Exhibitions” EP bei ihm aufnahmen, sehr skeptisch, weil wir keinen Einheitsbrei Sound der Marke Abyss Studio haben wollten. Nachdem wir in nur 2 Tagen die “Exhibitions” EP mit einem guten Sound einzimmern konnten, waren wir überzeugt. Es waren andere Produzenten für “Antithesis” im Gespräch (z.B. Anders Nyström von Katatonia), aber letztendlich entschieden für uns dafür, mit Markus zu arbeiten und er hat unsere Erwartungen noch übertroffen.

Welcher Grundgedanke verbirgt sich hinter dem lyrischen Konzept von “Antithesis”?

sG: Wie Anfangs bereits erwähnt, dreht sich auf “Antithesis” alles um den Tod. Das mag abgedroschen klingen, aber ist es in diesem Falle nicht. Die Inhalte beschreiben, kurz gesagt, “einzigartige” Situationen und Momente, die sich als eine Art Vision in mir festgebrannt haben.

Ich finde das Cover-Artwork zu “Antithesis” sehr gut gelungen. Wer hat dieses für euch realisiert und inwieweit brachtet ihr euch in die Gestaltung/Realisierung ein?

sG: Ich bin gelernter Grafiker und übernehme 90% aller grafischen Belange der Band selbst. Das ist bis zu einem bestimmten Punkt zeitlich möglich. Anzeigen und ähnliche nimmt mir zum Glück Prophecy Hausgrafiker Lukasz Jaszak ab. Beim CD Layout hatte ich eine ganz bestimmte Aura vor Augen. Das Endprodukt kann sich sehen lassen, wie ich finde. Wir überlassen nichts dem Zufall. Die visuelle Seite hat eine ganz enorme Wichtigkeit für uns.

Interessant finde ich ebenfalls die Wallpaper, welche ihr auf der Antithesis-Microwebsite zur Verfügung stellt. Hier wurden einigen Songs Wallpaper gewidmet. Diese finden sich doch sicher in ähnlicher Art und Weise auch im Booklet wieder? Könntest du auf die Bilder näher eingehen? Warum ihr “Exit” z.B. mit dem jüdischen Denkmal in Berlin visualisiert habt(jedoch in bearbeiteter Form) und dies auch als Hintergrund eurer Website benutzt. Des Weiteren interessiert mich, was es mit dem Symbol des Adlers auf sich hat.

sG: Genau, es gibt einige Bilder, die Hand in Hand mit den Songs auf Antithesis gehen. Diese Bilder tauchen auf den Wallpapern und natürlich auch im Booklet der CD auf. Es ist nicht sinnvoll, näher auf die Bilder einzugehen, weil sie mit Hilfe der Songtexte auf eine Aura abzielen, die dennoch viele Freiheiten für eigene Interpretationen lassen. Der wahre geschichtliche Hintergrund des jüdische Mahnmals beispielsweise spielt bei unserer Interpretation nicht die geringste Rolle. Der Adler symbolisiert “nichts weiter” als die monumentale Massivität, die hinter “Antithesis” steckt.

Schaue ich mir eure derzeitigen Pressefotos an, fällt mir auf, dass die Black Metal typische Bemalung(Corpse Paint) im Prinzip komplett verschwunden ist. Könnt ihr euch damit nicht mehr identifizieren?

sG: Das würde ich nicht sagen. Es gibt ein paar wenige Personen in der Black Metal Szene, die wahnsinnig gut mit dieser Schminke umgehen können. Leider beherrschen nur die Wenigsten dieses Handwerk. Die Identifikation ist allerdings trotzdem noch vorhanden, sie passt nur nicht zur Aussage von “Antithesis”. Wir setzen uns keine Maskerade auf, weil es ein sehr ernstes und persönliches Album geworden ist. Wir möchten, dass die Leute in UNSERE Gesichter schauen. Wir spielen kein Theater.

Wenn ich nicht irre, gibt es von euch einige Demo-Tapes. Auf eurer Website lässt sich dazu aber kaum etwas finden. Warum geht ihr auf eure frühere Geschichte kaum ein?

sG: Wir verneinen unsere Geschichte nicht. Die Demotapes, die vielen Vinyl -Singles sind ein Teil unserer Geschichte aber nicht mehr präsent. Es sind unsere Anfänge. Unsere Alben sind “Jetzt”, sie sind erhältlich und sie sind das, womit die Band identifiziert wird. Es sind die wichtigsten Veröffentlichungen für uns.

Erzählst du mir etwas über die kommenden live Shows? Was wird den Besucher erwarten?

sG: Wir bereiten uns momentan auf die Shows vor. Sie scheinen sehr intensiv zu werden, weil wir alle Songs, die für die Shows in Frage kommen, sehr akribisch geprobt haben. Des Weiteren haben wir eine neue Bühnendekoration entworfen, die sicherlich die optische Seite es Albums sehr gut visualisieren wird. Momentan werkeln wir noch an ein paar Kleinigkeiten. Es werden hoffentlich emotionale Shows werden.

Zum Abschluss noch Hookahs “5×3 Fragen”:

Beschreibe Secrets Of The Moon bitte mit 3 Worten.

sG: Metal, Intensität, Besessenheit.

3 Gründe um auf ein Secrets Of The Moon Konzert zu gehen?

sG: Um eine intensive Show zu sehen, um eine gute Zeit zu haben und um ein bis zehn Bier zu trinken.

3 Dinge die du an einer Tour/Konzerten hasst?

sG: Die Fahrt, das Warten, die Fahrt.

3 Platten die jeder im Schrank haben sollte?

sG: Schwere Frage, ich entscheide mich spontan für Metallica “Metallica”, Pink Floyd “Dark Side of the Moon” und Emperor mit “In the nightside Eclipse”.

Die letzten 3 von dir gekauften Platten?

sG: Celtic Frost “Monotheist”, Tool “10 000 days” und Meshuggah “Catch33″.

Vielen Dank für das Interview.

sG: Ich habe zu danken! Danke für die tollen Fragen!

Beantwortet am 27.09.2006 via e-Mail.

Website: www.sotm.de

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